Von Medienangst und Medienabhängigkeit (13./14. November)

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13./14.11.2020

Philipp Theis, Hannover

Scherzhaft hatte der amerikanische Psychologe Ivan Goldberg 1995 die „Diagnose Computersucht" in einem Artikel der New York Times eingeführt, woraufhin sich unerwarteterweise viele vermeintlich Betroffene meldeten. In den letzten Jahren wurde die Forschung zum Thema Medienabhängigkeit intensiviert. Anhand epidemiologischen Erhebungen zur Internetsucht in Deutschland im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (PINTA-DIARI, 2013) wurden 1% der Allgemeinbevölkerung und 2,5% der jungen Erwachsenen als internetsüchtig klassifiziert.

Neben der Debatte um die Suchtgefahr wird in den letzten Jahren der Diskurs bezüglich möglicher Medienwirkungen von Video- und Computerspiele, sozialen Netzwerken, Mediengewalt und Pornographie leidenschaftlich geführt. Zum Teil scheinen negative Aspekte und Konsequenzen die Diskussion zu beherrschen. Bei näherer Betrachtung ist oftmals eine auffallend geringe inhaltliche Auseinandersetzung zu bemängeln.

Das Zusammenspiel gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Veränderungen in Wechselwirkung mit einer beschleunigten Technisierung und Medialisierung führt zu einer Vielzahl an Umbrüchen für uns Menschen und der Systeme, in denen wir uns bewegen. Virtualität und Realität sind heute untrennbar miteinander verknüpft. Unter Berücksichtigung, dass ein unumkehrbarer Prozess begonnen hat, stellt sich die Frage nach den Konsequenzen, die sich für die Praxis ergeben haben und noch ergeben werden. In diesem Vortrag und Seminar soll die Möglichkeit geboten werden, einige dieser sich ergebenden Veränderungen aus dem Blickwinkel der Praxis von Beratung und Behandlung kennenzulernen.